Die Finanzmarktreformen des New Deal Timelines: Geld-Finanzregulierungen

Der Banking Act von 1933 (auch: Glass-Steagall-Act) war eine wirtschaftspolitische Reaktion auf die Große Depression in den USA und deren Ursachen. Die damit einhergehende umfassende Regulierung des amerikanischen Finanzwesens wurde zu einem integralen Bestandteil eines neuen Ordnungsrahmens, der die Volkswirtschaft der USA und die Weltwirtschaft in den folgenden Jahrzehnten prägte (Eichengreen 2015: 244ff. und 318).

Im Wesentlichen sind mit dem Banking Act folgende Maßnahmen verbunden (Wolfson 2013:179–180):
die Schaffung einer Einlagensicherung,

  • die institutionelle Trennung von Einlagen- und
  • Wertpapiergeschäft („Spartentrennung“),
  • die Deckelung der Zinssätze.

Die Einlagensicherung entkoppelte die Sicherheit der Bankeinlagen (bis zu einer gewissen Höhe) vom wirtschaftlichen Schicksal der jeweiligen Bank. Dadurch wurde der Teufelskreis aus gegenseitigem Misstrauen an den Finanzmärkten unterbrochen und Bank-Runs wurden unterbunden. Die Spartentrennung sah wiederum eine Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken vor, die den Kreditkreislauf der Realwirtschaft von den Vermögensmärkten entkoppelte.

Zinssatzdeckelung
Die Zinssatzdeckelung wurde in den USA in Form der Regulation Q im Rahmen des Banking Act 1933 eingeführt. Sie sah ein Verbot von Zinssätzen auf Sichteinlagen vor sowie eine Deckelung jener auf Spareinlagen bei Geschäftsbanken. Für gemeinnützige Bausparkassen („savings and loan associations“) wurde die Deckelung ab 1966 etwas höher angesetzt, um den privaten Wohnbau zu fördern (Eichengreen 2015: 68).
Mit der Deckelung der Einlagenzinssätze wurden mehrere wirtschaftspolitische Ziele verfolgt (Gilbert1986: 22ff.): Erstens sollte damit ein aggressiver Wettbewerb um Kundeneinlagen unterbunden werden. Im Vorfeld der Großen Depression übertrafen sich die Geschäftsbanken mit immer höheren Einlagenzinssätzen, da das Kreditangebot in der Endphase des Kreditbooms kaum mit der steigenden Nachfrage Schritt hielt.
Die Deckelung war ein Versuch, eine neuerliche Kreditblase zu unterbinden, indem deren Finanzierung erschwert wurde. Ein weiteres Ziel von Regulation Q war, die Rentabilität von Finanzanlagen zu senken und so Kredite stärker in realwirtschaftliche Investitionen zu lenken. Banken sollten angehalten werden, weniger in Finanzprodukte zu investieren und mehr Kredite an den Nichtbankensektor (an die Realwirtschaft) zu vergeben.
Dies sollte zudem die Forderungen der Banken untereinander reduzieren und so – als drittes Ziel – die Anfälligkeit des Interbankenmarkts für Vertrauenseffekte verringern, so dass er in Krisensituationen weniger rasch zum Erliegen kommt. Hinsichtlich der Stabilisierung des Finanzsystems war die Regulierung im Großen und Ganzen erfolgreich, wie die Finanzmarktkrise von 2007/08 kontrafaktisch zeigt: Der Deregulierung seit den 1980er-Jahren folgte genau jene enge Verflechtung innerhalb der Finanzwirtschaft, die für die Tiefe der späteren Krise letztlich eine wichtige Rolle spielte.
Neben den Zielen, das Entstehen von Kreditblasen zu verhindern, die Attraktivität von Finanzinvestitionen zu verringern und das Finanzwesen langfristig zu stabilisieren, wurde mit der Zinssatzdeckelung aber auch die Absicht verfolgt, die Geschäftsbanken für Erschwernisse, die sie im Zuge des Banking Act tragen mussten, zu kompensieren: Aufgrund der Spartentrennung nahm die Profitabilität der Banken ab, da Netzwerkeffekte wegfielen. Die Zinssatzdeckelung erhöhte dagegen tendenziell die Profitabilität der Banken auf Kosten der Vermögenseinkommen der Sparer.